HERAKLIDEN.NET === (/ Willner-Brauerei ) ** Premiere am 26.05.2016 :: Level Drei (/ Computerspieltheater )

Menschen der Zukunft: sie treffen sich als Wahlberliner auf Meetups in Co-Working-Spaces. Heute Abend habe mich in die Höhle des Löwen gewagt: im Eingangsbereich ein Plakat “Epilepsiewarnung”. Ich warte im Vorhof der ehemaligen Brauerei, bis man uns Einlass gewährt.

Herakliden.net — LaPama // REGIE, PROJEKTLEITUNG: Rolf Kasteleiner :: level3

Vor etwas mehr als 200 Jahren galt der Pranger noch als alltägliches Folterinstrument. Wie die Figur Paul Atreides (aus dem Film “Dune der Wüstenplanet”), zusammen mit meinen beiden Mitspielern, darf ich unerschrocken meine Hand in einen der silbernen, im Raum schwebenden Ringe halten, um den Einlasstest zu bestehen.

“Rufen Sie eine Erinnerung ab: A starke Erinnerung, B schwache Erinnerung, C erfundene Erinnerung, D keine Erinnerung.” Von in Plastikfolie gekleideten, blass geschminkten Herakliden werden wir in einer komplexen Gestik geschult, der Begrüßungsform mit dem Ausspruch “Hi!”.

Durch kleine Spiele zwischen den beiden Gatekeepern im Empfangsraum werden uns sogleich deren hierarchische Positionen vorgeführt. Ihre offenkundige Programmierung erweckt einerseits mein Bedürfnis, das ganze Spiel zu sabotieren. Doch meine Neugierde, zum nächsten Raum zu kommen, überwiegt. Wie bei der Initiation in einen Geheimbund folgen wir den Anweisungen der monoton und abgehackt sprechenden Bewohner der Stadt Hera. Kinderleicht, als würde man einem Navigationsgerät oder Anrufbeantworter zuhören, trifft so menschliche Intelligenz auf künstliche Intelligenz.

Geschickt werden werden wir als Bewerber in eine Rettungsaktion auf der Intensivstation eingeladen. Als wäre es nicht ohne unsere Hilfe möglich, eine verletzte Heraklidin zu “reparieren”. Sie hat den falschen Mikrochip implantiert bekommen. Ein unbewusst wirksamer Moment der Immersion.

"Transparenz"

“Transparenz”

Wir Menschen sind es schon so gewohnt und hungern instinktiv danach, in neue und unbekannte Welten zu schlüpfen, die faszinierend anmuten. Dabei ist es uns ein Leichtes, als Preis für die Eingliederung lieb Gewonnenes und Gewohntes abzuwerfen. Was ist der Preis dafür?

Das interaktive Theaterstück HERAKLIDEN.NET stellt diesen Reiz der Faszination an der Technisierung unserer Gesellschaft in Frage. Nachdem das Produktionsteam schon in Spandau, im Brunnen70 und im großen Wasserspeicher erste Erfahrungen mit herakles.net sammeln konnte, gelang mit “level3″ ein allegorisches Game-Theater, das seinesgleichen sucht.

Zum Weiterlesen hier das Interview mit Rolf Kasteleiner. Mehr zur Produktion auf herakliden.net.

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